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2025-12-233 Min. Lesezeit

Genauigkeit vs. Geschwindigkeit: Worauf solltest du dich konzentrieren?

Ist es besser, 100 WPM mit Fehlern zu tippen oder 60 WPM fehlerfrei? Erfahre, warum Genauigkeit das eigentliche Geheimnis für hohe Tippgeschwindigkeit ist.

Die Debatte: Genauigkeit vs. Geschwindigkeit — Worauf solltest du dich konzentrieren?

Wenn du deine Reise zum Zehnfingersystem beginnst, ist die Versuchung groß: Du willst sehen, wie der WPM‑Zähler (Worte pro Minute) so schnell wie möglich steigt. Es ist aufregend, den Fingern beim Fliegen über die Tasten zuzusehen. Aber irgendwann stößt du an eine Wand. Du tippst schnell, machst aber viele Fehler.

Das wirft die altbekannte Frage in der Tipp‑Community auf: Ist es besser, sich auf Geschwindigkeit oder auf Genauigkeit zu konzentrieren?

Die kurze Antwort? Genauigkeit gewinnt immer. Hier ist warum.

Der Mythos von der „rohen Geschwindigkeit“

Viele glauben, sie könnten ihre Genauigkeit später „reparieren“, sobald sie eine bestimmte Geschwindigkeit erreicht haben. Sie denken: „Ich lerne erst mal schnell zu tippen und kümmere mich später um die richtigen Tasten.“

Das ist ein gefährlicher Irrtum. Wenn du mit geringer Genauigkeit übst, übst du nicht wirklich das Tippen — du übst das Fehlermachen. Du trainierst deine Muskulatur in die falsche Richtung, was es nahezu unmöglich macht, später wirklich schnelle und fehlerfreie Geschwindigkeit zu erreichen.

Muskelgedächtnis: Der wahre Motor der Geschwindigkeit

Beim Zehnfingersystem kommt es ganz auf das Muskelgedächtnis an. Dein Gehirn muss genau wissen, wo jede Taste liegt, ohne dass du nachdenken musst.

  • Wenn du langsam und präzise übst, baut dein Gehirn eine klare, perfekte „Karte“ der Tastatur auf.
  • Wenn du schnell und ungenau übst, entsteht eine chaotische, verwirrende Karte.

Hat dein Gehirn die perfekte Karte, stellt sich die Geschwindigkeit automatisch ein. Du versuchst nicht, schneller zu tippen; deine Finger bewegen sich einfach sicherer, weil sie genau wissen, wohin.

Die Regel „Kosten eines Fehlers“

Überlege, was passiert, wenn du einen Fehler machst. Es ist nicht nur ein falscher Buchstabe. Ein Fehler umfasst tatsächlich drei separate, zeitaufwändige Schritte:

  1. Erkennen: Du bemerkst den Fehler (unterbricht den Fluss).
  2. Korrigieren: Du greifst nach der Rücktaste (verlässt die Grundreihe).
  3. Wiederholen: Du tippst das Zeichen korrekt neu.

In der Zeit, in der du einen einzigen Fehler korrigierst, hättest du fünf oder sechs Zeichen fehlerfrei tippen können. Ein Tippender mit 60 WPM und 100% Genauigkeit ist oft schneller fertig als jemand mit 90 WPM und 90% Genauigkeit.

Die 98%-Regel

Wie findest du also das richtige Gleichgewicht? Die meisten Expertinnen und Experten empfehlen die 98%-Regel.

Fällt deine Genauigkeit unter 98%, tippst du zu schnell für dein aktuelles Muskelgedächtnis. Du solltest langsamer werden, bis du konstant die 98–100% erreichst. Wenn du diese Genauigkeit entspannt halten kannst, wird deine Geschwindigkeit ganz von selbst steigen.

Praktische Tipps, um beides auszubalancieren

  1. Ignoriere den Timer: Wenn der WPM‑Zähler dich nervös macht, versuche ihn zu ignorieren und konzentriere dich nur auf die Buchstaben auf dem Bildschirm.
  2. Sprich die Buchstaben: Sage beim Tippen die Buchstaben oder Wörter im Kopf mit. Das stärkt die Verbindung zwischen Gedanke und Bewegung.
  3. Halte einen gleichmäßigen Rhythmus: Tippe nicht die „einfachen“ Wörter schnell und die „schweren“ langsam. Versuche für jeden Tastendruck einen konstanten, metronomähnlichen Takt zu halten.

Fazit

Geschwindigkeit ist Eitelkeit; Genauigkeit ist Vernunft. Wenn du ein erstklassiger Tippender werden willst, vergiss für eine Weile deinen WPM. Konzentriere dich darauf, jede Taste perfekt zu treffen — und ehe du dich versiehst, tippst du schneller und müheloser als je zuvor.

Viel Erfolg beim Üben!

Fokus auf Präzision